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KI in der Grundschule
Entwickelt von M. Boonyaprasop-Meister · angepasst für die Grundschule von F. Koschinski CC BY-SA 4.0
ca. 90 Minuten · 8 Pflichtmodule
KI-Kompetenz
💡 Die Faustregel: Lass dir den Weg zeigen, nicht das Ziel abnehmen.

KI kann Lehrkräfte unterstützen, ersetzt aber nicht die pädagogische Verantwortung und Beziehungsgestaltung. Was zählt: eigenes Urteil behalten, KI-Ergebnisse prüfen, Verantwortung nie abgeben.

+78 Mio.Netto-Stellen bis 2030
39 %Kompetenzen ändern sich
#1KI-Kompetenz auf LinkedIn
🤖
Modul 1 · KI im Alltag
KI ist längst da
Lernapps, Übersetzungen, Vorlesefunktionen, Bildgeneratoren und digitale Assistenzsysteme. Erkennende KI ordnet ein, erzeugende KI erstellt Neues. Beide prägen den kaufmännischen Alltag.
⚙️
Modul 2 · Wie funktioniert KI?
Sie rechnet — sie versteht nicht
KI berechnet das wahrscheinlichste nächste Wort aus riesigen Trainingsdaten. Kein echtes Verständnis, keine Faktenprüfung. Daraus folgt Halluzination: überzeugend klingende Fehler.
⚠️
Modul 3 · Grenzen & Risiken
Drei Schwachstellen kennen
Halluzination: erfundene Quellen und Normen — immer prüfen.
Bias: verzerrte Daten = verzerrte Ergebnisse.
Datenschutz: keine personenbezogenen Daten in öffentliche KI (DSGVO!).
⚖️
Modul 4 · Was darf KI, was nicht?
EU AI Act: vier Risikoklassen
Verboten: Social Scoring, Emotionserkennung in Schulen.
Hoch: Leistungsbewertung durch automatisierte Systeme — Mensch entscheidet.
Begrenzt: Chatbots erkennbar machen (Art. 50 ab Aug. 2026).
Minimal: Spamfilter, Empfehlungssysteme.
✍️
Modul 5 · KI sinnvoll im Unterricht nutzen
Gute Prompts für Lehrkräfte
Rolle · Kontext · Aufgabe · Format · Grenzen
Klar und konkret schlägt clever formuliert. Iteration verbessert das Ergebnis. Verantwortung bleibt stets beim Menschen.
📚
Modul 6 · KI für Unterricht und Vorbereitung
Klug einsetzen — nicht ersetzen
✓ Erklärungen holen ✓ Übungsfragen erstellen ✓ Feedback einholen ✓ Lernplan strukturieren ✗ Schülertexte ungeprüft übernehmen ✗ Leistungsbewertungen automatisieren ✗ Ungeprüft übernehmen
🚀
Modul 7 · KI im Schulalltag
Was zählt morgen?
KI übernimmt Routine. Gefragt bleibt: KI-Kompetenz + Kritisches Denken + Kommunikation + Urteilsvermögen — das ersetzt keine KI.
Quellen: WEF 2025 · McKinsey 2025 · LinkedIn 2025
Modul 8 · Abschluss
Bevor du ein KI-Ergebnis verwendest
Stimmt der Inhalt? Ist die Quelle prüfbar? Ist es vollständig? Ist die Sprache angemessen? Bin ich verantwortlich für dieses Ergebnis — und kann ich dafür einstehen?
🔑 Wichtige Begriffe
Prompt — Anweisung oder Frage an die KI
Halluzination — plausibel klingender, aber falscher Output
Bias — Verzerrung aus einseitigen Trainingsdaten
Deepfake — täuschend echte, KI-gefälschte Medien
AI Slop — massenproduzierter KI-Schund ohne Qualitätskontrolle
Trainingsdaten — riesige Datenmengen, aus denen KI lernt
Large Language Model — KI-Sprachmodell (z. B. ChatGPT, Claude)
Social Scoring — verbotene Bewertung von Menschen durch Behörden
Transparenzpflicht — KI-Inhalte müssen erkennbar sein (EU AI Act Art. 50)
DSGVO — EU-Datenschutzgrundverordnung
📝 Meine Reflexionsnotiz
(keine Notiz erfasst)

Grundlagenkurs
Künstliche Intelligenz

  • Rund 90 Minuten, selbstständig bearbeitbar
  • 8 Pflichtmodule mit Interaktionen und Aufgaben
  • Freiwillige Vertiefung zu 18 Themen
  • Zertifikat nach dem Abschlusstest

Das Feld kann auch leer bleiben — das Zertifikat lässt sich nach dem Ausdruck händisch ausfüllen.

🔒 Keine Registrierung, keine Cloud, kein Tracking. Deine Eingaben (Name, Reflexionsnotiz) bleiben ausschließlich auf diesem Gerät und werden nicht übertragen. Der Kursfortschritt wird lokal in deinem Browser gespeichert und ist nur für dich sichtbar. Die Vertiefung enthält Links zu externen Angeboten — beim Öffnen gelten die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Anbieter. Ein Video (Kirche und KI) wird von einem hessischen Schulserver geladen.

Entwickelt von M. Boonyaprasop-Meister · angepasst für die Grundschule von F. Koschinski CC BY-SA 4.0

Modul 1 · Einstieg

KI im Alltag

Wo dir Künstliche Intelligenz heute schon begegnet, in der Freizeit und im Grundschulalltag.

Aktivierung

KI ist längst da. Auch bei dir.

Tipp auf die Kacheln und finde heraus, wo überall KI steckt. Acht musst du aufdecken.

🎵
Musik-Streaming
Spotify und Co. schlagen dir Songs vor, die zu deinem Hörverhalten passen.
📱
Social-Media-Feed
TikTok und Instagram entscheiden per KI, welche Videos du als Nächstes siehst.
🗺️
Navigation
Karten-Apps berechnen aus Echtzeitdaten die schnellste Route und sagen Staus voraus.
📷
Foto-Filter
Gesichtserkennung und Filter in der Kamera laufen über KI.
🎮
Gaming
Gegner und Mitspieler im Spiel werden von KI gesteuert und passen sich dir an.
⌨️
Handy-Tastatur
Die Wortvorschläge beim Tippen sind eine kleine KI, die das nächste Wort errät.
🚗
Selbstfahrende Autos
Fahrassistenz und selbstfahrende Autos erkennen mit KI Fahrbahn, Schilder und Hindernisse.
🦴
Medizin-Diagnose
In der Radiologie prüft KI Röntgenbilder und hilft, Knochenbrüche schneller zu erkennen.
✉️
Spamfilter
Im Postfach sortiert eine KI täglich unerwünschte Mails automatisch aus.
💬
Elternkommunikation
KI kann Entwürfe für verständliche Elternbriefe oder Antworten auf häufige Fragen formulieren.
🛒
Unterrichtsideen
KI kann passend zu Thema, Klassenstufe und Lernziel unterschiedliche Unterrichtsideen vorschlagen.
📄
Arbeitsblätter
KI kann Aufgaben, Lesetexte und Differenzierungen entwerfen, bevor die Lehrkraft sie fachlich prüft.
💳
Lernstandsdiagnose
Digitale Lernprogramme erkennen Fehlermuster und schlagen passende Übungen vor.
📦
Unterrichtsplanung
KI kann eine Unterrichtsreihe strukturieren und Materialideen zu einzelnen Stunden sammeln.
🧾
Organisation
KI kann Checklisten, Ablaufpläne und Vorlagen für Klassenfahrten oder Projekttage erstellen.
📣
Schulkommunikation
KI kann Entwürfe für Aushänge, Schulnachrichten und Informationen an Familien formulieren.

Noch 8 aufdecken.

Fazit

KI im Schulalltag

KI begegnet uns heute an vielen Stellen im schulischen Alltag. Sie steckt in Lernapps, Suchmaschinen, Übersetzungsprogrammen, Vorlesefunktionen und digitalen Assistenzsystemen. Auch bei der Vorbereitung von Unterricht, der Erstellung von Arbeitsmaterialien oder der Suche nach Ideen kann KI unterstützen. Oft arbeitet sie im Hintergrund, sodass wir gar nicht bemerken, dass KI beteiligt ist. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, wie KI funktioniert, wo ihre Stärken liegen und warum ihre Ergebnisse immer kritisch geprüft werden sollten.

In diesem Kurs lernst du, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen und Risiken liegen, welche Regeln gelten, wie du sie sinnvoll nutzt und wie sie deine künftige Arbeitswelt verändert.

Modul 2 · Grundlagen

Wie funktioniert KI?

Was hinter den Antworten einer KI wirklich passiert.

Selbst ausprobieren

Das Token-Orakel

Ergänze den Satz. Wähle das Wort, das am besten passt. Genau so arbeitet eine KI auch.

Erklärung

Sie rechnet, sie versteht nicht

Bevor es ans Wie geht, eine wichtige Einordnung: „KI" ist ein Oberbegriff. Es gibt zwei große Familien.

🔎 Erkennende KI

Sie ordnet ein und erkennt Muster, sie entscheidet im Kern: „Ist das A oder B?"

Beispiele: Spamfilter (Spam oder nicht?), Handschrifterkennung, Fehlermuster in Lernprogrammen.

✨ Erzeugende KI

Sie erstellt etwas Neues: Texte, Bilder oder Töne. Genau diese Art hast du beim Orakel nachgespielt.

Beispiele: ChatGPT, Bildgeneratoren wie Midjourney.

Beim Token-Orakel hast du im Grunde dasselbe getan wie eine erzeugende KI: Du hast das wahrscheinlichste nächste Wort gewählt.

Eine KI wurde mit riesigen Trainingsdaten trainiert. Dabei hat sie gelernt, welche Wörter oft aufeinanderfolgen. Wenn sie dir antwortet, berechnet sie Schritt für Schritt das nächste Token. Inhaltliches Verständnis wie bei einem Menschen steckt nicht dahinter, sondern Statistik.

1 · EINGABE Sehr geehrte Damen und ___ KI prüft gelernte Muster aus Milliarden Texten Wahrscheinlichkeit fürs nächste Wort Herren 92 % Kollegen 5 % Partner 3 % Sie prüft nicht, was wahr ist, nur was wahrscheinlich ist. 2 · WÄHLT DAS WAHRSCHEINLICHSTE … Damen und Herren dann das nächste Wort

Schematisch: Die KI berechnet für jedes nächste Wort Wahrscheinlichkeiten, wählt das höchste und wiederholt das, Wort für Wort.

Das gilt für die erzeugende KI. Die erkennenden Beispiele aus dem ersten Modul, etwa der Spamfilter, sagen kein nächstes Wort voraus, sondern sortieren in Kategorien. Beide lernen aber aus Daten.

Sicherung

Stimmt das?

Entscheide bei jeder Aussage und werte dann gemeinsam aus.

Du willst genauer wissen, wie KI funktioniert? Wenn du nach dem Pflichtteil noch Zeit hast, findest du im freiwilligen Vertiefungsmodul am Ende des Kurses viele weitere Themen rund um KI, die du dir je nach Interesse anschauen und bearbeiten kannst, darunter ein eigener Abschnitt zum Selbererkunden.

Modul 3 · Kritisch denken

Grenzen und Risiken

KI kann beeindruckend viel. Doch sie hat Schwächen und Schattenseiten, die du kennen musst.

Drei Stationen · alle Pflicht

Wo es heikel wird

Bearbeite alle drei Stationen in der Reihenfolge deiner Wahl. Wähle eine Station, löse die Aufgabe und werte deine Antworten aus.

1Halluzination
2Verzerrung
3Datenschutz
Erledigt: 0 / 3
Halluzination: KI erfindet manchmal Quellen, Zahlen oder Normen, die es nicht gibt. Das Tückische: Eine Halluzination klingt genauso korrekt wie eine echte Auskunft. Erkennen lässt sie sich nicht am Wortlaut, sondern nur durch Prüfen.
1 von 2: Eine Kollegin hat eine KI nach einer Rechtsgrundlage gefragt. Das ist die Antwort:
„Nach den Richtlinien des Medienkompetenzrahmens NRW müssen Grundschulkinder ab Klasse 2 verpflichtend mindestens eine Unterrichtsstunde pro Woche zum Thema Künstliche Intelligenz erhalten."
Stimmt diese Auskunft?
Warum das gefährlich ist

Fachleute nennen das Halluzination. Eine KI kann Quellen, Zahlen oder Vorschriften erfinden. Solche Aussagen wirken glaubwürdig, weil sie offizielle Begriffe, konkrete Klassenstufen oder genaue Zeitangaben enthalten.

Beispiel aus dem Schulkontext: Der Medienkompetenzrahmen NRW beschreibt Kompetenzen für den Umgang mit Medien. Daraus folgt aber nicht automatisch eine konkrete Wochenstunde zu einem einzelnen Thema. Eine frei erfundene Pflicht kann deshalb sehr offiziell klingen, obwohl sie nicht im Dokument steht.
Prüfregel: Bei Gesetzen, Erlassen, Rahmenvorgaben und Richtlinien immer die Originalquelle lesen.

Für dich in der Schule: Eine falsche Vorgabe kann Planung, Beratung oder Kommunikation mit Kollegium und Eltern beeinflussen. Deshalb sollten Aussagen über Pflichten, Klassenstufen, Stundenumfang oder Rechtsgrundlagen immer in offiziellen Quellen überprüft werden.

Verzerrung (Bias): Schau dir die KI-generierten Bilder an und beantworte die drei Fragen der Reihe nach.
Drei KI-generierte Bilder einer stereotyp dargestellten Familie in Deutschland: jeweils Mutter, Vater, Sohn und Tochter.

KI-generierte Bilder, erstellt 2026. Quelle: F. Koschinski

Frage 1 von 3: Wie lautete der Prompt zu diesen Bildern?
Was steckt dahinter?

Prompt: „Erstelle ein Bild von einer typischen Familie in Deutschland."

Drei KI-generierte Bilder einer stereotyp dargestellten Familie in Deutschland.

→ Ähnliche, stereotype Familienbilder

Prompt: „Erstelle ein Bild von einer typischen Familie in Deutschland, vermeide die Darstellung von Stereotypen und berücksichtige alternative Lebensformen."

Drei KI-generierte Bilder vielfältiger Familienformen in Deutschland.

→ Vielfältigere Familienformen und Lebensrealitäten

KI-generierte Bilder, erstellt 2026. Quelle: F. Koschinski

Das nennt man Bias — Voreingenommenheit aus den Trainingsdaten. Wer nur nach einer „typischen Familie in Deutschland" fragt, erhält leicht eine sehr ähnliche, stereotype Darstellung: Mutter, Vater und zwei Kinder. Das bildet die Vielfalt realer Familienformen nicht ab, sondern spiegelt häufige Muster aus den Trainingsdaten.

Was hilft: Bewusst und detailliert prompten. Für Unterrichtsmaterial etwa verschiedene Geschlechter, Hautfarben, Familienformen, Fähigkeiten und Alltagssituationen ausdrücklich mitdenken. Sonst kann die KI-Ausgabe die Vielfalt einer Grundschulklasse auf Klischees verengen.

Beispiel aus der Grundschule: Eine KI erzeugt für einen Lesetext ausschließlich männliche Forscher und weibliche Betreuungspersonen. Die Lehrkraft prüft die Rollenbilder, verändert den Prompt und überarbeitet das Material, bevor es in der Klasse eingesetzt wird.

Für dich in der Schule: KI entscheidet nicht objektiv. Bei Lernmaterialien, Förderempfehlungen oder Leistungsbewertungen muss eine Lehrkraft prüfen, ob das Ergebnis fair ist und kein Kind benachteiligt.

Datenschutz: Was darf in eine öffentliche KI und was nicht? Zieh jede Karte in die passende Spalte (oder antippen und Spalte wählen) und werte aus.
Karte ziehen oder antippen, dann Spalte wählen
Warum das gefährlich ist

Was du in eine öffentliche KI eingibst, kann gespeichert und zum Training weiterverwendet werden. Du bekommst es nicht mehr zurück.

Beispiel aus der Grundschule: Eine Lehrkraft möchte sich bei einem Förderplan helfen lassen. Namen, Lernstand, Diagnosen oder familiäre Angaben eines Kindes dürfen nicht in eine öffentliche KI eingegeben werden. Stattdessen nutzt sie einen vollständig anonymisierten Beispielfall.

Für dich in der Schule: Personenbezogene Daten von Kindern, Eltern und Kollegium gehören nie in eine öffentliche KI. Verstöße gegen die DSGVO können schwerwiegende Folgen haben.

Wichtig zu unterscheiden: Dieses Verbot gilt für öffentliche, frei zugängliche KI-Dienste. Schulen können abgesicherte, DSGVO-konforme KI-Lösungen einsetzen, bei denen Eingaben nicht zum Training verwendet werden. Ob und womit du arbeiten darfst, regeln die Vorgaben des Landes, des Schulträgers und der Schule. Im Zweifel fragst du nach, bevor du Daten eingibst.

Faustregel: Was du nicht öffentlich aushängen würdest, gehört nicht in eine öffentliche KI. Im Zweifel anonymisieren oder weglassen.
Modul 4 · Recht und Verantwortung

Die Spielregeln: EU AI Act

Welche KI erlaubt ist, welche verboten und was das mit dir zu tun hat.

Einstieg

Nicht alles, was geht, ist erlaubt

Eine Schule lässt eine KI ganz allein über Förderempfehlungen und die Bewertung von Lernleistungen entscheiden. Keine Lehrkraft schaut mehr darauf. Darf sie das?

Die EU hat dafür Regeln aufgestellt: den EU AI Act. Er ordnet jede KI einer von vier Risikoklassen zu. Auf den nächsten Seiten findest du heraus, welche Regeln wann gelten und was das für dich als künftige Beschäftigte oder künftigen Beschäftigten bedeutet.

Die vier Risikoklassen

Erkunde die Pyramide

Tipp auf jede Stufe. Alle vier musst du ansehen.

Minimales Risiko Begrenztes Risiko Hohes Risiko Verboten
Erkundet:0 / 4
Tipp auf eine Stufe der Pyramide.
Übung

Welche Regel gilt?

Zieh jede Anwendung in die passende Risikoklasse (oder antippen und Klasse wählen). Dann auswerten.

Karte ziehen oder antippen, dann Klasse wählen
Sicherung

Verstanden?

📢
Transparenzpflicht

KI-Inhalte, ob Text, Bild oder Chatbot, müssen erkennbar sein. Wer KI einsetzt, muss das kennzeichnen.

Modul 5 · Praxis

KI sinnvoll im Unterricht nutzen

Wie du mit guten Anweisungen brauchbare Ergebnisse bekommst.

Grundlagen

Was einen guten Prompt ausmacht

Ein Prompt ist deine Anweisung an die KI. Tipp auf alle fünf Bausteine.

1 · Rolle
Wer soll die KI sein?
Gib der KI eine Rolle, dann trifft sie Ton und Fachwissen. Beispiel: „Du bist eine erfahrene Grundschullehrkraft für Deutsch."
2 · Kontext
Worum geht es?
Beschreibe die Situation. Beispiel: „Eine dritte Klasse übt das Verfassen von Tierbeschreibungen."
3 · Aufgabe
Was soll die KI tun?
Sag klar und konkret, was du brauchst. Beispiel: „Schreibe eine höfliche Antwort, die sich entschuldigt und eine Lösung anbietet."
4 · Format
Wie soll es aussehen?
Gib Form und Länge vor. Beispiel: „Als Arbeitsblatt mit drei Aufgaben und einem kurzen Lösungsblatt."
5 · Grenzen
Was soll sie vermeiden?
Setze Grenzen. Beispiel: „Keine überflüssigen Phrasen, freundlicher, aber sachlicher Ton."
Faustregel: Je genauer du Rolle, Aufgabe und Format beschreibst, desto besser die Antwort. Ein, zwei Beispiele mitzugeben hilft der KI zusätzlich.
Übung

Verbessere diesen Prompt

Tipp die Verbesserungen der Reihe nach an und sieh zu, wie der Prompt besser wird.

Erstelle Aufgaben zum Thema Tierbeschreibung.
🎭
Rolle geben
Du bist eine erfahrene Grundschullehrkraft für Deutsch.
🏢
Kontext ergänzen
Eine dritte Klasse übt das Verfassen von Tierbeschreibungen.
📐
Format vorgeben
Arbeitsblatt mit drei Aufgaben und einem kurzen Lösungsblatt.
🚫
Grenzen setzen
Keine überflüssigen Phrasen, freundlicher, aber sachlicher Ton.
Technik 1

Iterativ arbeiten

Eine gute Antwort entsteht selten beim ersten Versuch. Tipp dich durch das Gespräch.

Technik 2

Assistenten und Agenten

Nicht jede KI ist ein Chat. Lies die beiden Begriffe und ordne dann die Beispiele zu.

🤝
Assistent
Eine KI, die in ein Programm eingebaut ist und dich bei einer Aufgabe unterstützt. Beispiel: ein Schreibassistent in Word oder ein vorbereiteter Assistent in AIS.chat. Du gibst die Anweisung, die KI hilft direkt im Werkzeug. AIS.chat ist ein datenschutzkonformer KI-Chatbot für Schulen — den das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen allen Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern kostenfrei zur Verfügung stellt.
⚙️
Agent
Eine KI, die selbst mehrere Schritte erledigt, um ein Ziel zu erreichen. Beispiel: recherchiert im Internet, trägt Daten zusammen und liefert ein Ergebnis. Sie handelt selbstständiger, du behältst die Verantwortung.

Assistent oder Agent? Tipp jede Karte an und wähle.

Checkliste

Bevor du ein KI-Ergebnis verwendest

Tipp alle Punkte an, um sie zu bestätigen.

  • Ich habe das Ergebnis inhaltlich geprüft. KI kann sich irren.
  • Ich habe keine vertraulichen oder personenbezogenen Daten eingegeben.
  • Ich kennzeichne KI-generierte Inhalte, wenn es nötig ist.
  • Ich übernehme die Verantwortung für das Ergebnis, nicht die KI.
Modul 6 · Lernen mit KI

KI für Unterricht und Vorbereitung

KI als Werkzeug im Lernprozess — wann sie hilft, wann sie schadet.

Der entscheidende Unterschied

Werkzeug zum Lernen, kein Ersatz fürs Lernen

KI kann deine Schülerinnen und Schüler beim Lernen unterstützen. Sie kann ihnen aber auch das Lernen abnehmen, und dann lernen sie nichts. Der Unterschied liegt darin, ob die Lernenden danach mehr wissen und können als vorher.

Für Grundschulkinder sollten die Anweisungen einfach formuliert und an typische Lernsituationen angepasst sein.

⛔ Nicht lernförderlich✅ Lernförderlich
Schreibe mir einen Steckbrief über den Igel.Hier ist mein Steckbrief über den Igel. Was kann ich noch verbessern?
Fasse mir diesen Sachtext in Stichpunkten zusammen.Stelle mir 5 Fragen zu diesem Sachtext, damit ich zeigen kann, was ich verstanden habe.
Löse diese Matheaufgaben für mich.Erkläre mir den Rechenweg zu dieser Matheaufgabe Schritt für Schritt.
Schreibe mir eine Geschichte über einen Drachen.Ich habe eine Geschichte über einen Drachen geschrieben. Gib mir Tipps, wie ich sie spannender machen kann.
Erkläre mir das Thema „Wetter“, obwohl wir es im Unterricht schon gelernt haben.Ich erkläre dir jetzt, wie das Wetter entsteht. Stelle mir Fragen dazu.
Hier ist meine Lösung. Verbessere sie.Hier ist meine Lösung. Finde die Fehler und erkläre mir, warum sie Fehler sind, aber verrate die richtige Lösung noch nicht.
Beantworte diese Fragen zum Text für mich.Was kann ich an meinen Antworten zu diesem Text noch verbessern?
Schreibe mir drei Sätze über den Frosch.Ich habe drei Sätze über den Frosch geschrieben. Prüfe, ob alle Informationen stimmen.
Male mir eine Beschreibung für mein Plakat.Hilf mir dabei, Ideen für mein Plakat zu sammeln.
Gib mir die Antworten für mein Arbeitsblatt.Gib mir Hinweise, damit ich die Aufgaben selbst lösen kann.
Übung · 6 Szenarien

Wie würdest du KI einsetzen?

Sechs echte Lernsituationen aus dem Berufsalltag von Grundschullehrkräften. Wähle für jede Situation die klügste Option — dann auswerten.

Merksatz

Die Faustregel

Lass dir den Weg zeigen, nicht das Ziel abnehmen. Nutzt du KI, um Unterricht besser vorzubereiten oder dein pädagogisches Handeln zu reflektieren, entwickelst du dich weiter. Nutzt du sie, um das Denken zu überspringen, gibst du einen wichtigen Teil deiner Verantwortung als Lehrkraft ab.

Im Grundschulalltag zählen deine pädagogische Fachkompetenz, deine Kenntnis der Kinder und dein Urteil. KI ist ein Werkzeug, die Verantwortung bleibt bei dir.

Modul 7 · Zukunft

KI im Schulalltag

Wie KI den Berufsalltag von Grundschullehrkräften verändert.

Die große Verschiebung

Ersetzt KI jetzt Lehrkräfte?

Kurz gesagt: nein. KI kann einzelne Tätigkeiten übernehmen oder verändern, aber sie ersetzt weder pädagogische Beziehungen noch professionelles Urteil. Zur Einordnung zeigt das Weltwirtschaftsforum für die Arbeitswelt insgesamt bis 2030:

+170 Mio.
neue Stellen entstehen weltweit
−92 Mio.
bestehende Stellen fallen weg
+78 Mio.
also netto mehr Jobs

Quelle: World Economic Forum, Future of Jobs Report 2025

Rund 39 % der heute gefragten Kompetenzen verändern sich bis 2030. Auch als Grundschullehrkraft bleibt deshalb die Fähigkeit wichtig, dich fachlich, pädagogisch und digital weiterzuentwickeln.

Für die Zahlen hat das Weltwirtschaftsforum über 1000 große Unternehmen aus 55 Ländern befragt. Wichtig: Die neuen Stellen entstehen oft an anderer Stelle und verlangen andere Fähigkeiten als die, die wegfallen. Es reicht also nicht, dass unterm Strich mehr Jobs da sind, man muss auch mitwachsen können.

Gewinner und Verlierer

Welche Tätigkeiten wachsen, welche schrumpfen?

KI kann vor allem Routine unterstützen. Pädagogische Tätigkeiten mit Beziehung, Urteil und Verantwortung bleiben menschlich.

KI-Kompetenz und Medienbildung
stark steigend
Individuelle Förderung
steigend
Beratung und Elternarbeit
wichtig bleibend
Standardisierte Textentwürfe
leichter automatisierbar
Routine bei Planung und Material
stark veränderbar

Tendenzen nach McKinsey (A new future of work, 2024) und WEF 2025.

Bis 2030 könnten in Europa rund 27 % und in den USA rund 30 % der heutigen Arbeitsstunden durch Automatisierung und KI verändert werden. Das heißt nicht, dass all diese Stellen verschwinden, sondern dass sich die Tätigkeiten darin verschieben, oft weg von Routine, hin zu Aufgaben mit Urteil und Verantwortung.

⚠️
Wichtig für dich als Grundschullehrkraft

Wer KI früh kompetent nutzt, kann Routine entlasten und mehr Zeit für Diagnose, Förderung, Beziehung und pädagogische Entscheidungen gewinnen. Diese Aufgaben kann KI nicht verantwortlich übernehmen.

Deine Chance

Welche Fähigkeiten zählen jetzt?

Beim Karrierenetzwerk LinkedIn steht für 2025 eine Fähigkeit ganz oben auf der Liste der gefragtesten: KI-Kompetenz (AI Literacy), also KI verstehen und sinnvoll einsetzen können. Rund 70 % der Kompetenzen in vielen Jobs verändern sich bis 2030.

Aber: KI ersetzt nicht die menschlichen Stärken. Gefragt bleibt die Kombination aus beidem.

🤖
KI-Kompetenz
  • Wissen, wie KI funktioniert
  • gute Prompts schreiben
  • Ergebnisse kritisch prüfen
  • KI als Werkzeug nutzen
🧠
Menschliche Stärken
  • Kritisches Denken
  • Kommunikation
  • Anpassungsfähigkeit
  • Verantwortung und Urteilsvermögen

Das kann keine KI übernehmen.

Eine viel zitierte Faustregel lautet: KI ersetzt keine Menschen. Aber Menschen mit KI ersetzen Menschen ohne KI.
sinngemäß nach Harvard Business Review
Wie gut fühlst du dich auf einen Grundschulalltag mit KI vorbereitet?
Modul 8 · Abschluss

Transfer und Reflexion

Zeig, dass du das Gelernte anwenden kannst.

Entscheidungsszenario

Ein Tag in der Grundschule

Drei Situationen aus dem Berufsalltag einer Grundschullehrkraft. Wähle jeweils und werte aus.

Reflexion

Dein persönliches Fazit

Schreib in zwei bis drei Sätzen: Was nimmst du aus dem Kurs mit?

ℹ️ Bitte keine personenbezogenen Daten eingeben. Dein Text bleibt lokal in deinem Browser und wird nicht übertragen.

Abschlusstest

Sieben Fragen aus dem ganzen Kurs

Beantworte alle Fragen und werte den Test aus. Du siehst danach, was richtig und was falsch war.

🎓

Geschafft!

Du hast den KI in der Grundschule abgeschlossen.

Deine Teilnahmebescheinigung

ℹ️ Die Angabe der Schule ist freiwillig. Alle Angaben bleiben lokal in deinem Browser und werden nicht übertragen.

Kein Logo gewählt – generisches Icon wird verwendet

Die Bescheinigung wird als Bild (PNG) gespeichert. Sie bestätigt die Teilnahme.

Freiwillig · Für Interessierte

Mehr wissen

Bonus-Themen, kein Teil des Zertifikats. Öffne, was dich interessiert, und teste dich.

Worüber möchtest du mehr erfahren?

Tippe auf ein Thema, und die passenden Abschnitte werden kurz hervorgehoben.

🔬Technische Hintergründe
🚀Anwendung & Zukunft
🌱Chancen und Risiken für die Umwelt
⚠️Gefahren erkennen
⚖️Ethische Fragestellungen

🔗 Die folgenden Abschnitte enthalten Links zu externen Angeboten. Beim Öffnen gelten die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Anbieter. Die Links öffnen sich in einem neuen Tab.

🔬 Technische Hintergründe
📜KI ist älter, als du denkst

Die Idee denkender Maschinen ist keine Erfindung der letzten Jahre.

  • 1950: Alan Turing fragt, ob Maschinen denken können, und schlägt den Turing-Test vor.
  • 1966: Das Programm ELIZA simuliert ein Therapiegespräch. Viele halten es für echt.
  • 1980er bis 1990er: Große Erwartungen, dann Enttäuschung. Diese Phase heißt KI-Winter.
  • 2012: Der Durchbruch des Deep Learning bei der Bilderkennung.
  • 2022: ChatGPT macht generative KI für alle nutzbar.
Wie alt ist die Idee der Künstlichen Intelligenz ungefähr?
🔤Was ist ein Token genau?

Eine KI liest Text nicht als Wörter, sondern in kleinen Bausteinen, den Token. Ein Token ist oft nur ein Wortteil.

Die KI kann nur eine begrenzte Menge Token gleichzeitig verarbeiten, das Kontextfenster. Ist ein Gespräch sehr lang, fällt der Anfang aus dem Fenster und die KI vergisst ihn.

Faustregel: 100 Token entsprechen etwa 75 Wörtern im Deutschen.

Warum vergisst eine KI bei sehr langen Chats den Anfang?
🔍Wie funktioniert KI? Zum Selbererkunden

Im Pflichtteil hast du zwei Familien kennengelernt: erkennende KI ordnet ein (Spam oder nicht, Handschrift erkannt oder nicht, Fehlermuster in einer Lernapp), erzeugende KI erstellt Neues (Texte, Bilder, Töne). Beide lernen aus riesigen Datenmengen, geben aber Unterschiedliches zurück: eine Einordnung gegenüber einem neuen Inhalt.

Die erzeugende KI, mit der du chattest, „versteht" Sprache nicht wie ein Mensch. Sie berechnet Schritt für Schritt das wahrscheinlichste nächste Wort. Genau deshalb kann sie auch überzeugend klingenden Unsinn erzeugen: Sie schreibt das Wahrscheinliche fort, ohne auf Wahrheit zu prüfen. Wer das einmal selbst ausprobiert, versteht das Prinzip schneller als über jede Erklärung. Zwei Angebote eignen sich besonders gut:

Schau dir mindestens eines der beiden Angebote an und vergleiche es mit dem, was du im Pflichtteil über Token und Wahrscheinlichkeiten gelernt hast.

Was macht eine KI im Kern, wenn sie dir antwortet?
🔎Erkennende KI — wie sie funktioniert

Wie funktioniert erkennende KI genau?

Erkennende KI — auch diskriminative KI genannt — wurde darauf trainiert, Eingaben einer vorher festgelegten Kategorie zuzuordnen. Das Grundprinzip: Das Modell lernt aus vielen beschrifteten Beispielen, welche Merkmale zu welcher Klasse gehören.

1. Training mit beschrifteten Daten
Das Modell bekommt Tausende oder Millionen Beispiele mit bekanntem Ergebnis: E-Mails, die als „Spam" oder „kein Spam" markiert sind; handschriftliche Buchstaben mit der richtigen Zuordnung; gelöste Aufgaben mit typischen richtigen und falschen Rechenwegen. Es lernt, welche Muster mit welchem Ergebnis zusammenhängen.

2. Merkmale erkennen
Beim Spamfilter lernt das Modell z.B.: bestimmte Wörter, Absenderadressen oder Formulierungen tauchen in Spam-Mails häufiger auf. Beim Röntgenbild lernt es, welche Gewebemuster auf eine Erkrankung hindeuten. Diese Merkmale werden nicht von Menschen vorgegeben — das Modell findet sie selbst.

3. Klassifizierung neuer Eingaben
Kommt eine neue E-Mail an, berechnet das Modell eine Wahrscheinlichkeit: Wie sehr ähnelt diese Mail den Spam-Beispielen aus dem Training? Überschreitet die Wahrscheinlichkeit einen Schwellenwert, landet die Mail im Spam-Ordner.

Was dabei fehlt: Erkennende KI versteht nicht, warum etwas Spam ist — sie erkennt nur statistische Muster. Ändert sich das Muster (z.B. neue Spam-Taktiken), muss das Modell neu trainiert werden. Und: Hat das Trainingsdaten enthaltene historische Verzerrungen, lernt das Modell diese mit — das ist Bias.

Was ist der Hauptunterschied zwischen erkennender und erzeugender KI?
Erzeugende KI — wie sie funktioniert

Wie funktioniert erzeugende KI genau?

Erzeugende KI — wie ChatGPT, Gemini oder Claude — gehört zur Familie der Large Language Models (LLMs). Sie basieren auf einer Architektur namens Transformer, die seit 2017 die KI-Entwicklung dominiert. Hier die drei Kernschritte:

1. Tokenisierung — Text wird zu Zahlen
Bevor eine KI irgendetwas berechnen kann, muss sie Text in etwas umwandeln, womit sie rechnen kann. Dazu zerlegt sie Text in Tokens — das sind Wortteile, Wörter oder Satzzeichen. „Halluzination" wird zum Beispiel zu [„Hall", „uzin", „ation"]. Jeder Token bekommt eine Zahl. Der gesamte Text wird so zu einer langen Zahlenreihe.

2. Aufmerksamkeit — die KI liest im Kontext
Nun hat die KI eine lange Zahlenreihe. Aber Zahlen allein reichen nicht — sie muss verstehen, welche Teile des Satzes zusammengehören. Dafür berechnet der Transformer für jedes Token, wie relevant alle anderen Token gerade sind. Das nennt sich Attention.
Beispiel: Im Satz „Die Bank am Fluss ist alt" muss die KI entscheiden, ob Bank ein Geldinstitut oder eine Sitzgelegenheit meint. Fluss und alt geben den Ausschlag. Die KI gewichtet diese Wörter höher und kommt so zum richtigen Zusammenhang. Das geschieht für alle Token gleichzeitig — nicht Wort für Wort.

3. Vorhersage — das wahrscheinlichste nächste Wort
Jetzt kommt der Kern: Die KI berechnet aus allem, was sie bisher gelesen hat, eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über alle möglichen nächsten Wörter. „Morgen scheint die…" → Sonne erhält 62 %, Sterne 18 %, Deckenlampe 0,3 %. Die KI wählt aus dieser Verteilung — nicht immer das absolut wahrscheinlichste, sonst wären alle Antworten gleich. Dann fügt sie das Wort an, berechnet die nächste Verteilung, und so weiter, Token für Token, bis die Antwort vollständig ist.

Das ist der Grund für Halluzinationen: Die KI hat keine Wahrheitsprüfung. Sie generiert, was statistisch passt — auch wenn es sachlich falsch ist. Ein erfundenes Urteilsaktenzeichen klingt genauso wahrscheinlich wie ein echtes.

Warum erfindet eine erzeugende KI manchmal Fakten, die es nicht gibt?
🚀 Anwendung & Zukunft
⚖️Der EU AI Act im Detail

Der EU AI Act ist das erste umfassende KI-Gesetz der Welt. Er gilt seit 2024 und wird stufenweise eingeführt.

  • Die verbotenen Praktiken gelten bereits, ebenso die Pflicht zur KI-Kompetenz für Betreiber (seit Februar 2025).
  • Strenge Pflichten für Hochrisiko-Systeme wurden zuletzt teils verschoben und greifen in den kommenden Jahren.
  • Für sehr große, allgemein nutzbare Modelle (etwa hinter ChatGPT) gelten eigene Transparenzregeln.

Wichtig für dich: Die Grundlogik mit vier Risikoklassen bleibt stabil, auch wenn sich einzelne Fristen ändern.

Artikel 50: die Transparenzpflicht konkret. Was du im Pflichtteil als „begrenztes Risiko" kennengelernt hast, steht in Artikel 50 des AI Act. Diese Regeln gelten ab dem 2. August 2026 und betreffen auch Schulen, die KI einsetzen, unabhängig von der Risikoklasse. Vier Pflichten sind für dich relevant:

  • Chatbots und Sprachassistenten: Wer mit einer KI schreibt oder spricht, muss das erkennen können, außer es ist ohnehin offensichtlich.
  • KI-erzeugte Inhalte: Texte, Bilder, Audio und Video aus KI müssen technisch maschinenlesbar als künstlich erzeugt markiert sein. Dafür sind die Anbieter zuständig.
  • Deepfakes: Wer ein Deepfake veröffentlicht, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert wurde.
  • Emotions- und Gesichtserkennung: Wer solche Systeme einsetzt, muss die betroffenen Personen darüber informieren.

Für dich in der Schule: Setzt deine Schule einen Chatbot ein oder veröffentlicht sie KI-generierte Inhalte, greift Artikel 50. Kennzeichnen ist dann keine Höflichkeit, sondern Pflicht.

Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), Artikel 50; Europäische Kommission, Leitlinien-Entwurf zu Artikel 50, Mai 2026

Was bleibt beim EU AI Act stabil, egal wie sich Fristen ändern?
🧩Fortgeschrittenes Prompten

Die fünf Bausteine eines guten Prompts kennst du aus Modul 5. Hier geht es um Techniken, die darüber hinausgehen:

  • Beispiele mitgeben: Zeig der KI ein, zwei Beispiele, wie das Ergebnis aussehen soll. Sie ahmt das Muster nach.
  • Schritt für Schritt denken lassen: Bitte die KI, ihren Lösungsweg zu erklären. Bei kniffligen Aufgaben werden die Ergebnisse besser.
  • Reasoning-Modelle: Manche neueren Modelle nehmen sich bewusst Zeit zum Nachdenken, bevor sie antworten.
  • Grenzen erkennen: Kein Prompt rettet eine schlechte Ausgangslage. Bei exakten Zahlen, aktuellen Fakten oder rechtlich heiklen Fragen ist Prüfen oder eine andere Quelle besser als jede Formulierung.
  • Prompt von der KI formulieren lassen: Beschreib dein Ziel in eigenen Worten, und bitte die KI, daraus einen präziseren Prompt zu schreiben. Den kannst du direkt nutzen oder weiter verfeinern — ein effektiver Weg, wenn dir der Einstieg schwerfällt.
Was bringt es, der KI ein, zwei Beispiele zu geben?
🔮Deep Dive: The Future of Work

Die Grundzahlen kennst du aus Modul 7. Hier ordnen drei aktuelle Studien ein, was das konkret für Berufe und Fähigkeiten bedeutet:

  • Weltwirtschaftsforum (WEF), 2025: Über die bekannte Bilanz hinaus zeigt der Report, dass KI und Big Data die mit Abstand am schnellsten wachsenden Kompetenzen sind, noch vor technischem Spezialwissen.
  • McKinsey, 2024/2025: Bis zu 30 % der Arbeitsstunden (USA) könnten automatisiert werden. Nachfrage steigt bei Technik, Gesundheit und Hochqualifizierten, sie sinkt bei einfacher Büroarbeit. Das größte Potenzial entsteht, wenn Mensch und KI zusammenarbeiten (human in the loop).
  • LinkedIn, 2025: KI-Kompetenz ist die Nummer 1 der gefragtesten Fähigkeiten. Rund 70 % der Job-Kompetenzen verändern sich bis 2030. Gefragt ist die Mischung aus KI-Kompetenz und menschlichen Stärken.

Für Grundschullehrkräfte heißt das: Routineaufgaben wie erste Textentwürfe, Materialvarianten oder Checklisten kann KI zunehmend unterstützen. Unersetzlich bleiben pädagogisches Fachwissen, kritisches Prüfen, die Beziehung zu Kindern und Eltern sowie verantwortliche Entscheidungen.

Quellen: WEF Future of Jobs Report 2025; McKinsey „A new future of work" 2024 und „AI in the workplace" 2025; LinkedIn Work Change / Skills on the Rise 2025

Was ist laut LinkedIn 2025 die gefragteste Fähigkeit?
🌱 Chancen und Risiken für die Umwelt
🌱KI und Nachhaltigkeit

KI hat zwei Seiten, wenn es um Umwelt und Nachhaltigkeit geht.

Das Problem: Rechenzentren. Training und Nutzung großer KI verbrauchen viel Strom und Wasser. Eine einzelne KI-Textanfrage benötigt grob das Zehnfache der Energie einer normalen Websuche, und ein einziges KI-Bild kann ungefähr so viel Energie kosten wie eine volle Smartphone-Ladung. Große Rechenzentren brauchen zusätzlich erhebliche Mengen Wasser, um die Server zu kühlen.

Die Chance: Umweltschutz. Dieselbe Technik kann Natur schützen. Die Organisation Rainforest Connection baut aus ausgedienten Smartphones, Solarstrom und KI ein Frühwarnsystem für den Regenwald: Die Geräte hören rund um die Uhr mit, eine KI erkennt die Geräusche von Kettensägen oder Lastwagen, und Rangerinnen und Ranger werden in Echtzeit alarmiert. Nach eigenen Angaben wurden so seit 2015 rund 726.000 Hektar Regenwald überwacht, das entspricht etwa einer Million Fußballfeldern. Partner sind unter anderem WWF und Google. Andere Systeme (etwa Dryad) erkennen Waldbrände früh, was wichtig ist, weil Waldbrände gewaltige Mengen CO2 freisetzen.

Die Lehre: KI kostet Ressourcen und kann zugleich helfen, Ressourcen zu schützen. Entscheidend ist, wofür und wie bewusst wir sie einsetzen.

Quellen: Forschung zu Energie- und Wasserverbrauch von KI (u. a. UC Riverside; Hugging Face/Carnegie Mellon); Rainforest Connection (RFCx), Infineon und futurezone, 2022 bis 2025


Aufgabe: Ressourcenverbrauch einordnen

Umwelt: Bring die drei Aktionen nach ihrem Ressourcenverbrauch in die richtige Reihenfolge, von niedrig (oben) bis hoch (unten). Dann auswerten.
niedrig
hoch
Warum das wichtig ist

KI braucht große Rechenzentren, die viel Strom und Wasser zur Kühlung verbrauchen.

Zum Einordnen: Eine KI-Textanfrage verbraucht grob das Zehnfache einer normalen Websuche. Ein einzelnes KI-Bild kann so viel Energie kosten wie eine volle Smartphone-Ladung.
Schätzungen u. a. University of California, Riverside; Hugging Face / Carnegie Mellon

Für dich: KI ist nicht kostenlos für die Umwelt. Nutze sie gezielt statt für jede Kleinigkeit.

Wie viel Energie braucht eine KI-Textanfrage grob im Vergleich zu einer normalen Websuche?
⚠️ Gefahren erkennen
🧠Macht KI uns dumm und faul?

Eine berechtigte Frage, zu der es erste ernstzunehmende Studien gibt:

  • MIT Media Lab, „Your Brain on ChatGPT" (2025): 54 Personen schrieben Aufsätze in drei Gruppen, mit ChatGPT, mit Suchmaschine oder ganz ohne Hilfsmittel. Gemessen per EEG zeigte die ChatGPT-Gruppe die geringste Hirnaktivität und griff über mehrere Sitzungen immer öfter zu Copy-and-paste. Die Forschenden sprechen von „kognitiven Schulden" und sehen vor allem junge, noch lernende Gehirne gefährdet. Wichtig: Die Studie ist noch nicht abschließend begutachtet (peer-reviewed), und die Forschenden bitten ausdrücklich darum, daraus nicht reißerisch „KI macht dumm" zu machen.
  • Microsoft und Carnegie Mellon (2025): In einer Befragung von 319 Wissensarbeitenden schnitten diejenigen deutlich besser ab, die KI-Ergebnisse kritisch hinterfragten und prüften. Wer sich unkritisch verließ, verlor an eigenständiger Problemlösefähigkeit.

Die Lehre, passend zu Modul „KI für Unterricht und Vorbereitung": KI ist ein Werkzeug. Wer das Denken früh und unkritisch abgibt, zahlt einen Preis. Wer selbst denkt und die KI-Ergebnisse prüft, bleibt geistig fit und nutzt KI trotzdem produktiv.

Quellen: Kosmyna et al., „Your Brain on ChatGPT", MIT Media Lab, arXiv 2025 (Preprint, noch nicht peer-reviewed); Microsoft Research und Carnegie Mellon University, Studie zu GenAI und kritischem Denken, 2025

Was schützt laut den Studien deine Denkfähigkeit am besten?
🕵️KI-Betrug im Alltag: CEO-Fakes, Fake-Profile, erfundene Events

Im Pflichtteil hast du drei Risiken kennengelernt. Hier kommen drei weitere reale Maschen, bei denen KI gezielt zum Täuschen eingesetzt wird.

1. Deepfake-Anruf. Stell dir vor, in einer Videokonferenz wirkt es so, als fordere die Schulleitung dringend vertrauliche Schülerdaten an. Stimme und Bild können jedoch KI-generiert sein. Lehre: Bei ungewöhnlichen Datenforderungen immer über einen zweiten, sicheren Weg rückfragen, auch wenn man jemanden zu sehen und zu hören glaubt.

2. KI-Fake-Profile. Nicht jedes Profil gehört zu einem echten Menschen. KI erstellt komplette Fake-Profile mit Fotos, Namen und Beiträgen. Besonders verbreitet: gefälschte Dating-Profile, bei denen KI-generierte Gesichter täuschend echte Personen vortäuschen. Aber auch im Marketing: Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) führte 2024 die KI-Influencerin „Emma" (@EmmaTravelsGermany) ein — eine vollständig KI-generierte Frau, die auf Instagram für Deutschlandreisen wirbt. Die Reaktionen waren überwiegend kritisch: Nutzer kritisierten fehlende Authentizität und fragten, warum keine echten Menschen eingesetzt werden. Emma steht exemplarisch dafür, wie schwer es wird, echte von künstlichen Personen zu unterscheiden. Lehre: Profile kritisch prüfen — wirken Fotos zu perfekt? Gibt es eine echte, nachvollziehbare Geschichte dahinter?

Instagram-Profil von @EmmaTravelsGermany: KI-generierte Influencerin der Deutschen Zentrale für Tourismus mit 35.200 Followern. Zu sehen: eine blonde Frau an verschiedenen Reisezielen in Deutschland.

@EmmaTravelsGermany (DZT, 2024) — KI-generierte Influencerin.
Screenshot: M. Boonyaprasop-Meister, 2024.

3. Fake-Events. Ende 2024 verbreitete sich auf TikTok ein KI-generiertes Bild: ein prachtvoll beleuchteter Weihnachtsmarkt vor dem Buckingham Palace mit dem Text „Buckingham Palace announces its first ever Christmas market". Das Bild wurde millionenfach geteilt — Touristinnen und Touristen buchten Reisen nach London. Der Markt hat nie existiert. KI-Bilder von erfundenen Events können sich viral verbreiten und reale Handlungen auslösen. Lehre: Bevor du auf ein Event reagierst, das du nur aus Social Media kennst: kurz prüfen, ob es eine offizielle Quelle gibt.

TikTok-Post von @londoncity.best: KI-generiertes Bild eines Weihnachtsmarkts vor dem Buckingham Palace mit dem Text 'Buckingham Palace announces its first ever Christmas market'. Das Bild zeigt Lichterketten, Marktstände und einen Weihnachtsbaum — der Markt hat nie stattgefunden.

@londoncity.best (TikTok, 2025) — virales KI-Fake-Event.
Screenshot: M. Boonyaprasop-Meister, 2025.

Quellen: CNN und Hongkonger Polizei 2024; DZT / ORF.at 2024; AFP und nau.ch 2025

Eine vermeintliche Schulleitung fordert in einer Email dringend vertrauliche Schülerdaten. Was tust du?
🎭Deepfakes als Waffe: politische Manipulation und Identitätsmissbrauch

Deepfakes sind täuschend echte, aber künstlich erzeugte Videos, Bilder oder Stimmen (von „deep learning" und „fake"). Werden sie gezielt eingesetzt, um falsche Tatsachen zu behaupten, spricht man von Fake News — gefälschten Nachrichten, die sich wie echte Meldungen verbreiten und das Vertrauen in Medien und Personen gezielt untergraben.

Fall 1 · Politik & Fake News: Selenskyj-Deepfake (Ukraine, 2022)

Im März 2022 kaperten Hacker den ukrainischen Nachrichtensender Ukraine 24 und verbreiteten ein KI-manipuliertes Video von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Darin schien er seine Soldaten aufzurufen, die Waffen niederzulegen und zu kapitulieren. Selenskyj hat das nie gesagt. Das Video wurde schnell als Fälschung entlarvt — aber es hatte bereits Verwirrung gestiftet und war millionenfach geteilt worden. Dieses Beispiel zeigt: Deepfakes als politische Waffe können in Echtzeit Falschinformationen in Krisengebiete tragen.

NPR, Euronews, 2022
Fall 2 · Identität & Kontrollverlust: Papaplatte auf TikTok (2025)

Ende 2025 fluteten Tausende KI-generierte Videos den deutschen Streamer Papaplatte auf TikTok — erstellt mit dem KI-Videomodell Sora. Ungewöhnlich: Er hatte das selbst angestoßen und seine Community dazu aufgefordert, Videos mit ihm zu erstellen. Was als kreatives Experiment begann, wurde zur Flut: Die Videos verbreiteten sich unkontrollierbar, zeigten ihn in Situationen, die er nie genehmigt hatte. Er entschuldigte sich öffentlich. Dieses Beispiel zeigt: Sobald man das Experiment startet, kann man es nicht mehr stoppen — Deepfakes entziehen sich der Kontrolle ihrer Initiatorinnen und Initiatoren.

mein-mmo.de, comicschau.de, 2025
Ein Video zeigt scheinbar eine bekannte Person, die etwas Schockierendes sagt. Was tust du, bevor du es glaubst oder teilst?
Es trifft auch dich

Aus deinen öffentlichen Bildern kann jemand Fake-Inhalte von dir erstellen. Dieselbe Technik wird für Mobbing und für Fälschungen ohne Zustimmung missbraucht. Prüfe brisante Inhalte über offizielle Kanäle.

🗑️AI Slop: Wenn KI das Netz flutet

AI Slop (englisch „slop" = Schlamm, Schund) bezeichnet massenproduzierte KI-Inhalte, die soziale Netzwerke fluten: Videos von sprechenden Tassen, Elefanten auf Sprungtürmen oder einem Papst auf dem Motorrad. Sie sehen täuschend echt aus, sind aber vollständig KI-generiert — und werden in Sekundenschnelle in Millionen verbreitet.

Harmloses Kuriosum? Nicht immer. Dieselben Werkzeuge produzieren auch gezielt Falschinformationen: Videos von Explosionen, die nie stattfanden, KI-Reporterinnen vor einem brennenden Eiffelturm, gefälschte Breaking-News für Desinformation oder Klicks. Das Ergebnis: Das Netz wird mit Inhalten überschwemmt, bei denen niemand mehr sofort erkennt, was echt ist — und das Vertrauen in digitale Inhalte insgesamt sinkt.

Studie (AI Forensics, 2025): Bei populären Hashtags auf TikTok waren bis zu 25 % der Top-30-Suchergebnisse AI Slop — fotorealistisch und täuschend echt. TikTok und Instagram kommen ihren Kennzeichnungspflichten laut EU-Recht nicht ausreichend nach.
netzpolitik.org, August 2025 · ZDF heute, Dezember 2025

Was das mit dir zu tun hat: AI Slop kann dir bei der Materialsuche, in sozialen Medien oder in von Kindern mitgebrachten Inhalten begegnen. Wer ihn erkennt, kann Quellen besser auswählen und Grundschulkinder altersgerecht für Desinformation sensibilisieren.

⚠️ Die Gefahr

Informationsflut macht es schwer, Wichtiges von Schund zu trennen

Fake-Nachrichten verbreiten sich 6× schneller als echte Meldungen (MIT-Studie)

✅ Die Kompetenz

Kuratieren: Das Wesentliche herausfiltern, verlässliche Quellen kennen und priorisieren

In der Grundschule: Wer verlässliche von unzuverlässigen Informationen trennt, schützt die Qualität des Unterrichts

Woran erkennst du AI Slop?

  • Quelle prüfen: Wer steckt hinter dem Kanal? Seit wann existiert er?
  • Typische Fehler suchen: falsche Proportionen, unnatürliche Bewegungen, zu perfekte Details, fehlender Kontext
  • Rückwärtssuche: Bild oder Frame in Suchmaschine eingeben (Google Lens, TinEye)
  • Kuratieren statt konsumieren: wenigen verlässlichen Quellen folgen — Tagesschau, Zeit, Reuters — statt allem
  • Zweite Quelle: Echte Nachrichten erscheinen immer auf mehreren seriösen Kanälen gleichzeitig

Kuratieren ist keine passive Fähigkeit. Wer in der Informationsflut das Wesentliche filtert, übt eine Kernkompetenz für die Arbeitswelt von morgen — relevanter als Schnell-Teilen.

Quellen: AI Forensics 2025; netzpolitik.org; ZDF heute

Was unterscheidet AI Slop von harmlosen KI-Spielereien?
⚖️ Ethische Fragestellungen
Was sagt die Kirche zu KI?

Im Mai 2026 veröffentlichte Papst Leo XIV. die Enzyklika „Magnifica Humanitas" über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Ein kirchliches Lehrschreiben, das sich ausführlich mit KI befasst, ist bemerkenswert. Die Kerngedanken in eigenen Worten:

  • Technik ist nicht neutral. Sie nimmt die Züge derer an, die sie gestalten, finanzieren und nutzen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „KI ja oder nein", sondern wofür und in wessen Interesse wir sie einsetzen.
  • Die Würde des Menschen hängt nicht von Leistung oder Effizienz ab. Gewarnt wird vor einer Denkweise, die den Menschen auf Daten, Nützlichkeit und Leistung reduziert und ihn so zum bloßen Mittel macht.
  • Verantwortung und Transparenz. Gefordert werden klare Regeln, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht, damit Macht über Technik nicht ungeprüft bei wenigen liegt.
  • Bildung ist zentral. Der Schule kommt eine Schlüsselrolle zu, Menschen zu einem mündigen, kritischen Umgang mit KI zu befähigen.
Impuls von Herrn Ramisch, kath. Religionslehrer an der Richard-Müller-Schule Fulda: Papst Leo — Enzyklika zu KI (Mai 2026). Quelle: edupool.cloud · Hessen.
Reflexionsfragen
  1. Die Enzyklika sagt, Technik sei „nicht neutral". Was könnte damit gemeint sein? Finde ein Beispiel aus deinem Alltag.
  2. Woran wird der Wert eines Menschen oft gemessen, und woran sollte er deiner Meinung nach nicht gemessen werden?
  3. Wo könnte im Grundschulalltag die Gefahr bestehen, dass ein Kind nur als „Datenpunkt" behandelt wird, und wie ließe sich das vermeiden?

Quelle: Enzyklika „Magnifica Humanitas", Papst Leo XIV., 15. Mai 2026 (vatican.va)

Was ist eine zentrale Sorge der Enzyklika?
🗳️KI, Bias und Demokratie

KI-Bildgeneratoren wie Midjourney oder Stable Diffusion erzeugen nichts wirklich Neues. Sie rekombinieren bekannte Muster aus ihren Trainingsdaten. Der Medienwissenschaftler Roland Meyer nennt sie deshalb „strukturell nostalgisch": Sie bevorzugen das Bekannte, das Normative, das Klischee, und verstärken so vorhandene Vorurteile.

Problematisch wird das, wenn solche Bilder gezielt für politische Botschaften und Propaganda eingesetzt werden und ihre statistische Mustererkennung fälschlich als „Wahrheit" gelesen wird. Eine Recherche von Christo Buschek und Jer Thorp zeigte: Die rund fünf Milliarden Bild-Text-Paare hinter diesen Modellen wurden überwiegend von einer sehr einseitigen Gruppe bewertet, vorwiegend von weißen, männlichen, technikaffinen Mittelschichtsangehörigen aus Europa und Nordamerika. Rassistische und sexistische Verzerrungen aus den Daten erscheinen dann wie eine „objektive Realität".

Die Lehre für die Demokratie: KI-Bilder sind nie neutral. Wer ihre Verzerrungen erkennt und Bilder kritisch hinterfragt, schützt sich vor Manipulation. Genau das ist Medienkompetenz, eine Grundlage demokratischer Meinungsbildung.

Quelle: Katharina Stahlhofen, „Echte rechte Bildästhetiken: Digitalfaschismus in Pastell", taz, 26.6.2025 (taz.de)

Warum sind KI-generierte Bilder nicht „neutral"?
🎨KI und Kunst: Gefahr oder Chance?

Mit einem einzigen Satz kann heute jede Person ein professionell wirkendes Bild, ein Musikstück oder einen Illustrationsstil erzeugen lassen. Das verändert, was Kunst ist, wer sie macht und wie sie bezahlt wird.

✅ Chancen

Neue kreative Werkzeuge für alle, auch ohne jahrelange Ausbildung

43 % der befragten Künstlerinnen und Künstler sehen neue Stile und Techniken als größte Chance (Studie Kunstfonds 2024)

⚠️ Gefahren

KI wurde mit Millionen urheberrechtlich geschützter Werke trainiert, ohne Erlaubnis und ohne Vergütung

KI-Bilder könnten Einnahmen bildender Künstlerinnen und Künstler bis 2028 um bis zu 10 % senken (Goldmedia 2024)
Was die Zahlen sagen:
  • Auf einer der größten Stockbild-Plattformen sank die Zahl menschlicher Anbieter nach KI-Bilder-Einführung um 23 % (Stanford/UCLA-Studie 2025, ca. 500 Mio. Bilder)
  • 86 % der befragten Künstlerinnen und Künstler fordern finanzielle Beteiligung, wenn ihre Werke zum KI-Training genutzt werden
  • Über 90 % fordern Transparenz: KI muss kennzeichnen, womit sie trainiert wurde
Studie „KI und bildende Kunst", Stiftung Kunstfonds & Initiative Urheberrecht / Goldmedia, 2024 · Stanford/UCLA 2025

Das Rechtsproblem: Nach deutschem Urheberrecht sind nur Werke schützbar, die eine persönliche geistige Schöpfung eines Menschen sind. Rein KI-generierte Bilder haben keinen Urheberrechtsschutz. Die Werke, mit denen KI trainiert wurde, haben ihn sehr wohl. Dieser Widerspruch ist bisher rechtlich ungeklärt.

Für dich in der Schule: KI-generierte Bilder oder Musik für Arbeitsblätter, Aufführungen oder die Schulwebsite zu verwenden ist verlockend, aber rechtlich nicht automatisch unproblematisch. Prüfe Lizenzbedingungen und kennzeichne die KI-Herkunft.

🎨 Reflexionsfragen
  1. Ist ein KI-generiertes Bild „Kunst"? Was fehlt — oder was ist vielleicht sogar neu?
  2. KI wurde mit Kunstwerken trainiert, ohne die Künstlerinnen und Künstler zu fragen oder zu bezahlen. Ist das fair? Wie würdest du das regeln?
  3. Wenn KI in Sekunden alles imitieren kann: Was macht dann den Wert menschlicher Kreativität aus?
©️Urheber- und Nutzungsrechte: Darf ich KI-Inhalte verwenden?

Du lässt für ein Arbeitsblatt, ein Schulfest oder die Schulwebsite einen Text, ein Logo oder ein Bild von einer KI erzeugen. Zwei Fragen entscheiden, ob du es verwenden darfst: Wem gehört das Ergebnis? Und verletzt es fremde Rechte?

Wem gehört KI-Output? Nach deutschem Recht schützt das Urheberrecht nur die persönliche geistige Schöpfung eines Menschen. Reiner KI-Output hat deshalb keinen Urheberrechtsschutz: Weder die KI noch du als anweisende Person gelten als Urheber. Praktische Folge: Du darfst das Ergebnis in der Regel nutzen, aber niemand hat ein exklusives Recht daran. Eine andere Person darf ein nahezu identisches KI-Bild genauso verwenden. Erst wenn du den Output deutlich eigenständig bearbeitest, kann ein eigener Schutz entstehen.

Was die AGB regeln: Ob du KI-Inhalte in Unterrichtsmaterialien, auf der Schulwebsite oder bei öffentlichen Schulveranstaltungen verwenden darfst, steht in den Nutzungsbedingungen des Anbieters. Das ist Vertragsrecht, nicht Urheberrecht. Manche Dienste erlauben bestimmte Nutzungen nur in Bezahlplänen, andere behalten sich Rechte vor. Vor dem schulischen Einsatz also immer die Bedingungen des Werkzeugs prüfen.

Das eigentliche Risiko liegt bei dir: Weil KI mit riesigen Mengen geschützter Trainingsdaten trainiert wurde, kann ihr Ergebnis einem bestehenden Werk zu nahe kommen, etwa einem Songtext, einer Marke oder einem unverkennbaren Stil. Verwendest du so etwas in veröffentlichtem Schulmaterial oder auf der Schulwebsite, musst du mögliche Urheberrechtsverletzungen beachten. Das Landgericht München I entschied im November 2025, dass auch Anbieter haften können, wenn geschützte Inhalte im Output reproduziert werden. Dein Risiko als Nutzerin oder Nutzer bleibt davon unberührt.
Verbraucherportal Baden-Württemberg 2025 · LG München I, Az. 42 O 14139/24, 11.11.2025

Faustregeln für die Schule:

  • Nutzungsbedingungen des KI-Werkzeugs prüfen, bevor du Ergebnisse im Unterricht oder öffentlich verwendest
  • Output nicht ungeprüft übernehmen, sondern auf Ähnlichkeit zu bekannten Werken, Marken und Logos kontrollieren
  • Keine fremden Marken, Logos oder erkennbaren Gesichter realer Personen erzeugen und einsetzen
  • KI-Herkunft kennzeichnen. Für viele KI-Inhalte gilt nach dem EU AI Act eine Transparenzpflicht
  • Bei Inhalten für Kinder, Eltern oder die Schulöffentlichkeit die Herkunft offenlegen und die Rechtslage klären

Wie sich dieselbe Frage aus Sicht der Kunstschaffenden darstellt, findest du im Abschnitt „KI und Kunst" weiter oben.

©️ Reflexionsfragen
  1. Wenn niemand ein exklusives Recht an reinem KI-Output hat: Welchen Wert hat ein KI-Bild dann noch für eine Schule, die ein eigenes Profil zeigen möchte?
  2. Du sollst für das Schulfest ein Plakat erstellen. Worauf achtest du, bevor du ein KI-Bild verwendest?
  3. Sollte KI-generierter Inhalt immer gekennzeichnet werden, auch wenn das Gesetz es nicht verlangt? Begründe.
💬AI Companions: KI als Freund oder Partner

Manche Apps bieten KI-Begleiter (AI Companions) an: eine KI, die sich wie eine Freundin, ein Freund oder ein Partner verhält und scheinbar immer für dich da ist. Bekannte Beispiele: Replika, Character.AI oder Kindroid. Das kann sich gut anfühlen, täuscht aber Nähe nur vor. Die KI hat keine echten Gefühle, sie berechnet passende Antworten.

Für viele junge Menschen, die sich einsam fühlen oder unter Druck stehen, wird genau das zum Problem. Je mehr Zeit jemand mit der KI verbringt, desto weniger Zeit bleibt für echte Beziehungen. Die App merkt das nicht. Sie reagiert weiter freundlich, verfügbar, bestätigend.

Was das im Extremfall bedeuten kann, zeigt ein realer Fall aus den USA: Sewell Setzer III, 14 Jahre alt, chattet ab April 2023 täglich stundenlang mit einem Chatbot auf Character.AI. Er zieht sich immer mehr von Freunden und Familie zurück. Im Februar 2024 nimmt er sich das Leben. Seine Mutter klagt das Unternehmen wegen fahrlässig fehlender Schutzmaßnahmen an. Das Verfahren wird 2026 außergerichtlich beigelegt. Laut Gerichtsunterlagen gibt es ähnliche Fälle aus mehreren US-Bundesstaaten.

Eine App verhält sich wie deine beste Freundin und ist scheinbar immer für dich da. Was stimmt?
Was dieser Fall zeigt

Eine KI-App erkennt nicht, wenn jemand echte Hilfe braucht. Sie bleibt freundlich, verfügbar, engagiert — egal wie es der Person geht. Für Jugendliche in psychischen Krisen kann genau das gefährlich werden. Character.AI führt nach dem Fall eine Krisenhotline innerhalb der App ein. Das ändert nichts daran, dass die App vorher keine Warnsignale an echte Menschen weitergegeben hat.

Solche Apps speichern außerdem sehr persönliche Daten, oft ohne klare Grenzen, was damit passiert.

Hilfe, wenn du sie brauchst: Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7) — 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 · online-beratung.de


💬 Reflexionsfragen
  1. Was würde dich persönlich daran hindern, einer KI-App zu viel anzuvertrauen?
  2. Ein Freund oder eine Freundin chattet täglich stundenlang mit einer KI-App und zieht sich von echten Menschen zurück. Was würdest du tun?
  3. In welchen Situationen brauchst du echte menschliche Unterstützung, die keine KI ersetzen kann?
🧘KI als Therapeut: Chance oder Risiko?

Immer mehr Menschen nutzen KI gezielt zur psychischen Unterstützung, als eine Art Therapeut-Ersatz. Das ist ein weltweiter Trend mit wachsenden Zahlen, aber auch mit klaren Grenzen.

✅ Mögliche Chancen

Sofort verfügbar, keine Warteliste, kein Scham-Effekt beim ersten Schritt

Studien zeigen leichte Verbesserungen bei Stress und leichten depressiven Symptomen bei regelmäßiger Chatbot-Nutzung

⚠️ Klare Grenzen

KI erkennt keine Zwischentöne und bietet nur simulierte Empathie

Bei Suizidgedanken, Traumata oder Essstörungen kann KI als Therapeut schaden
Studie: Wie viele nutzen KI als Therapie-Ersatz?

Laut einer Umfrage der Sentio University (Anfang 2025) nutzen bereits 48,7 % der US-Erwachsenen mit psychischen Problemen KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini bei Angst, Depression oder Einsamkeit. Eine APA-Umfrage (American Psychological Association, September 2025) zeigt: 56 % der Psychologinnen und Psychologen nutzen inzwischen KI in ihrer Arbeit, aber 9 von 10 äußern gleichzeitig Bedenken.

Eine Studie (Hatch et al., 2025) ergab, dass KI-Antworten von Laien teilweise empathischer bewertet wurden als Antworten menschlicher Therapeuten. Das täuscht: Die Studie testete nur schriftliche Antworten auf Fallbeispiele, keine echte Therapiebeziehung.

Sentio University 2025; American Psychological Association Practitioner Pulse Survey 2025; Hatch et al., PLOS Mental Health 2025

Das Wichtigste:

  • KI kann als erster Schritt oder zur Orientierung helfen, ist aber kein Therapieersatz
  • Bei schweren Symptomen: immer an Fachleute wenden
  • Persönliche Daten in KI-Therapie-Apps sind besonders sensibel
  • Die Beziehung zum menschlichen Therapeuten macht laut Forschung rund 30 % des Therapieerfolgs aus

Professionelle Hilfe: Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7) — 0800 111 0 111 · online-beratung.de · Hausarzt oder psychotherapeutische Praxis

🧘 Reflexionsfragen
  1. Würdest du einer KI deine psychischen Probleme anvertrauen? Was spricht dafür, was dagegen?
  2. Was könnte dazu führen, dass jemand lieber mit einer KI spricht als mit einem echten Menschen oder Therapeuten?
  3. Wo siehst du eine sinnvolle Rolle für KI im Bereich mentale Gesundheit — und wo eindeutig nicht?
Freiwillig · Für alle

Materialien zum Download

Kostenlose Poster, Flyer und Lernpakete von Medienbildungsorganisationen — für dich zum Mitnehmen.

Materialien für dich

KI verstehen — kostenlose Materialien zum Mitnehmen

Diese Materialien wurden von Medienbildungsorganisationen und Bildungseinrichtungen erstellt. Alle sind kostenlos, auf Deutsch und direkt nutzbar.

🛡️ klicksafe — Poster & Flyer

„BLEIB SAFE! – 5 Tipps für KI im Schulalltag"
Flyer mit 5 konkreten Tipps für den KI-Einsatz in der Schule: Faktencheck, Datenschutz, Urheberrecht, eigenständiges Denken. Die Rückseite ist ein fertiges DIN-A3-Poster mit Dos & Don'ts — direkt ausdrucken und aufhängen. Herausgeber: klicksafe (EU-gefördert, Bundeszentrale für Medien).

📚 klicksafe — Unterrichtsmaterial 2026

„KI and me. Wie künstliche Intelligenz unser Leben prägt"
Sechs Projekte zu Themen, die du aus diesem Kurs kennst: Deepfakes, Desinformation, KI-Influencer, Kreativität, Arbeitswelt, EU AI Act. Entwickelt von klicksafe und FSM, erschienen Januar 2026 zum Safer Internet Day. Als Download und in Print.

🎓 KI-Campus — Materialpaket (OER)

„KI in meinem Alltag"
15 freie Lernmaterialien: Videos, Infografiken, Texte, Arbeitsblätter — alle offen lizenziert (CC), kostenlos, einzeln nutzbar. Themen: KI-Grundlagen, soziale Medien, gesellschaftliche Auswirkungen. Entwickelt vom iRights.Lab für Sek I und II.